Salzburger Ärzteführer 2026
16 SALZBURGER ÄRZT INNEN UND ÄRZTE 2026 Kindliche Adipositas effektiv behandeln Adipositas imKindes- und Jugendalter stellt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Etwa 25 Prozent der österreichischen Kinder und Jugendlichen gelten als übergewich- tig oder adipös. Die Folgen betreffen nicht nur die körperlicheGesundheit, sondern auch das seelischeWohlbefinden und die gesellschaftliche Teilhabe. Eine frühzeitige, evidenzbasierte und interdisziplinäre Be- treuung ist daher entscheidend. Adipositas entsteht aus einem komple- xen Zusammenspiel biologischer, psychi- scher, sozialer und umweltbezogener Faktoren. Neben einer langfristigen positi- ven Energiebilanz spielen Bewegungs- mangel, ungünstige Ernährungsmuster, Stress, familiäre Prägungen und auch ge- netische Einflüsse eine Rolle. Die Krank- heit entwickelt sichmeist schleichend – oft beginnend imKleinkindalter – und setzt sich ohne gezielte Maßnahmen häufig bis ins Erwachsenenalter fort. Therapeutischer Ansatz Ziel der modernen Adipositastherapie ist Therapien für Kinder und Jugendliche mit der chronischen Erkrankung Adipositas sollten so früh und effektiv wie möglich starten. nicht allein die Gewichtsreduktion, son- dern die nachhaltige Förderung eines gesunden Lebensstils und die Verbesse- rung der Lebensqualität. Aktuelle Leitlini- en fordern einmultimodales, umfassen- des alters- und entwicklungsadaptiertes Therapiekonzept. Dieses umfasst: • frühestmögliche Diagnosestellung (ambesten vor der Einschulung) • medizinische Abklärung (z. B. Erken- nen vonmonogenetischen oder syn- dromalen Formen, metabolischen und psychischen Begleiterkrankungen) • ernährungsmedizinische Betreuung mit Fokus auf Alltagsintegration • Förderung von Bewegung in Freizeit und Familie • psychologische Begleitung, etwa bei emotionalemEssen, Stress oder Selbstwertproblemen • Elternarbeit als zentraler Bestandteil, umnachhaltige Verhaltensänderungen zu unterstützen • medikamentöse Therapie • chirurgische Verfahren bei Jugendli- chenmit hochgradiger Adipositas und assoziierten Folgeerkrankungen nach Ausschöpfen konservativer Maßnah- men MedikamentöseMöglichkeiten Für schwer betroffene Kinder und Ju- gendliche stehen – zusätzlich zur Lebens- stilintervention – seit Kurzem auchmedi- kamentöse Optionen zur Verfügung. GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid und Semaglutid zeigen in Studien signifi- kante Effekte auf den Body-Mass-Index (BMI) sowie auf metabolische Risikofak- toren. Der Einsatz erfolgt unter sorgfälti- ger ärztlicher Kontrolle, multimodaler Be- gleitung und nur bei entsprechender Indi- kation. Medikamente ermöglichen häufig eine bislang frustrane Ernährungsumstel- lung, sofern einemedizinische Begleitung gewährleistet ist. Langfristige Perspektive Da Adipositas eine chronische Erkran- kung ist, erfordert sie eine langfristige Betreuung. Entscheidend ist eine indivi- duelle, kontinuierlich angepasste Thera-
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