Salzburger Ärzteführer 2026
18 SALZBURGER ÄRZT INNEN UND ÄRZTE 2026 Volkskrankheit Typ-2-Diabetes Typ-2-Diabetes ist die häufigste Stoff- wechselerkrankung weltweit. Auch in Österreich steigen die Zahlen seit Jahren. Schätzungen zufolge leben hierzulande rund 800.000Menschenmit Diabetes, et- wa 90Prozent davonmit Typ2. Besonders problematisch: Viele wissen lange nichts von ihrer Erkrankung. Expertinnen und Ex- perten gehen davon aus, dass zusätzlich bis zu 300.000Menschen betroffen sind, ohne es zu wissen. Was ist Typ-2-Diabetes? Wennwir über dieNahrungKohlenhydrate aufnehmen, dann steigt der Blutzucker- spiegel an. Als Reaktion schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus, das dafür sorgt, dass die Glukose aus demBlut in die Körperzellen aufgenom- menwerden kann und der Blutzuckerspie- gel wieder absinkt. Der Typ-2-Diabetes beginnt mit einer sogenannten Insulin- Typ-2-Diabetes betrifft immer mehr Menschen in Österreich. Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung. resistenz. Das bedeutet, erhöhte Blutzu- ckerspiegel (aufgrund ungesunder Ernäh- rungundBewegungsmangel) führendazu, dass die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren. Sie benötigenmehr davon, umdie gleicheMengeGlukose auf- nehmen zu können. Die Bauchspeichel- drüse muss daher immer mehr Insulin pro- duzieren, bis die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse erschöpft sind und sogar absterben. Schließlich ent- steht Typ-2-Diabetes, der durch einen In- sulinmangel gekennzeichnet ist. Ursachen und Risikofaktoren Zu den Hauptrisikofaktoren zählen Über- gewicht, insbesondere abdominelles Übergewicht („Bauchfett“), Bewegungs- mangel und eine kalorienreiche Ernährung mit vielen zuckerhaltigen und hochverar- beiteten Lebensmitteln. Auch genetische Veranlagung, zunehmendes Alter, Stress und Schlafmangel tragen bei. Besonders gefährdet sindMenschenmit Prädiabetes – einer Vorstufe, bei der dieBlutzuckerwer- te bereits erhöht, aber noch nicht imDia- betes-Bereich sind. Symptome und Bedeutung der Früherkennung Typ-2-Diabetes entwickelt sich oft schlei- chend. Anzeichen wie starker Durst, häufi- gesWasserlassen,Müdigkeit oder wieder- kehrende Infektewerden leicht übersehen. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnose so wichtig. Routineuntersuchungen beim Hausarzt – etwa Blutzuckermessung oder Bestimmung des Langzeitblutzuckers (HbA1c-Wert) – helfen, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Gesundheitliche Folgen Bleibt Typ-2-Diabetes unbehandelt, steigt das Risiko für schwere Folgeerkrankungen deutlich. Besonders betroffen sindHerz undGefäße: Herzinfarkt undSchlaganfall treten bei Diabetikerinnen undDiabetikern häufiger auf. Auch zuNierenschäden, Durchblutungsstörungen undSchäden an den Augen kann es kommen. Diese Kom- plikationen verkürzen die Lebenserwartung erheblich und belasten die Lebensqualität. Behandlung: Lebensstil an erster Stelle Die gute Nachricht: Typ-2-Diabetes ist heute gut behandelbar – und in frühen Sta- dien oft sogar umkehrbar. Zentrale Säulen sind eine gesunde Ernährung, regelmäßi- ge Bewegung und Gewichtsreduktion. Studien zeigen, dass schon zehn Prozent weniger Körpergewicht die Blutzucker- werte deutlich verbessern können. Ideal ist eine pflanzenbetonte Kost mit viel Ge- müse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen, kombiniert mit ausreichender Be-
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTY3OTA=