Salzburger Ärzteführer 2026

26 SALZBURGER ÄRZT INNEN UND ÄRZTE 2026 Wenn die Hormone Achterbahn fahren Etwa 20 bis 40 Prozent aller Frauen ken- nen das: Ein paar Tage vor der Periode ist man gereizt, müde, nichts passt, alles geht einem auf die Nerven. Das berühmte „PMS“ – das prämenstruelle Syndrom – tritt bevorzugt bei Frauen über 30 auf und ist längst kein Tabuthema mehr. Doch was viele nicht wissen: Es gibt eine schwere Formdavon, die die Lebens- qualität vieler Betroffener massiv beein- trächtigt – PMDS, das prämenstruelle dysphorische Syndrom. Während beim klassischen PMS körperliche Beschwer- den wie Brustspannen, Kopfschmerzen oder Heißhunger imVordergrund stehen, betrifft das PMDS vor allemdie Psyche. Frauenmit PMDS erleben in den ein bis zwei Wochen vor der Menstruation starke Stimmungseinbrüche, Reizbarkeit, depressive Gedanken und sogar Angst- zustände. Mit Beginn der Blutung verschwinden dieseSymptomemeist schlagartigwieder – bis sie imnächsten Zyklus erneut auf- tauchen. Viele Betroffene halten sich selbst für „zu sensibel“ oder „übertrieben emotional“, sodass oft viele Jahre verge- PMDS – das prämenstruelle dysphorische Syndrom. hen, bis erkannt wird, dass hinter diesen extremen Stimmungsschwankungen eine medizinische Ursache steckt. Progesteron- und Östrogenspiegel verändern sich imLaufe des Zyklus stark. Bei PMDS reagieren bestimmte Boten- stoffe imGehirn – vor allemdas Serotonin- System – in der zweiten Zyklushälfte besonders empfindlich auf diese hormo- nellen Schwankungen. PMDS ist keine Einbildung, sondern eine anerkannte me- dizinische Erkrankung. Sie betrifft etwa drei bis acht Prozent der Frauen in der re- produktiven Phase, häufig verstärken sich die Beschwerden zu Beginn der Perime- nopause noch einmal. Der Leidensdruck kann enorm sein: Beziehungen, Arbeit, Freundschaften – alles kann unter den wiederkehrenden Stimmungstiefs leiden. Umso wichtiger ist es, über PMDS zu sprechen und professionelle Hilfe zu su- chen. Da es keine eindeutigen Laborwerte oder bildgebenden Verfahren gibt, beruht die Diagnose vor allem auf der Selbstbeo- bachtung und dem ärztlichen Gespräch. Ein wichtiger Schritt ist das Führen eines Zyklustagebuchs. Über zwei bis drei Mo- natewird notiert, wannwelcheSymptome auftreten. Anhand dieser Aufzeichnungen kann dannmeist eine genaue Diagnose gestellt und individuelle Behandlungs- möglichkeiten besprochen werden. Die gute Nachricht: PMDS ist behandelbar. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt von der Schwere der Symptome ab. Inman- chen Fällen helfen pflanzliche Substanzen oder Lebensstiländerungen – regelmäßi- ge Bewegung, ausreichend Schlaf, eine SN/STOCK.ADOBE.COM/LESZEKGLASNER

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